Ein Buch - mehrere Monate

August 2011: Stephen King – Die Arena

Der neueste King, zumindest zum Zeitpunkt des Lesens. Das Cover weckte mein Interesse, darauf zu sehen ist eine Schneekugel mit verkohltem Sprung. Der englische Titel „Under The Dome“ deutet schon  an, worum es im Buch geht, irgendwer ist da „Unter der Kuppel“ (nein, nicht unter der Haube).  Wohingegen der deutsche Titel eher auf Sport oder Kampf verweist.

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Quelle: thrillandkill

Ein Kampf ist es auf jeden Fall, ein bitterer Kampf ums Überleben. Wie verhalten sich die Menschen, wenn durch höhere Mächte plötzlich eine Glaskuppel die ganze Stadt einschließt, sodass niemand mehr herein und heraus kommt, sie also völlig isoliert von der übrigen Welt sind? Wenn dazu noch langsam aber sicher Lebensmittel und Sauerstoff knapp werden? Werden sie etwa kooperativ und versuchen gemeinsam, die Situation bestmöglich zu bewältigen? Oder ist es nicht eher so, dass sie nur aggressiver und krimineller werden, weil zum einen die Anspannung steigt und zum anderen sie keine staatliche Gewalt von außerhalb zur Rechenschaft ziehen kann? Bei King ist natürlich klar, wie das ganze ausgehen wird. Aber wie schlimm es tatsächlich wird, ist am Anfang nicht abzusehen.

Quelle: youngadulthollywood.com 

Anschaulich-scheinidyllisches Cover der amerikanischen Ausgabe

Ort der Handlung ist die Kleinstadt Chester’s Mill (in Maine, wo sonst). Der kürzlich gefeuerte Koch Dale Barbara, kurz Barbie, möchte an einem schönen Herbstmorgen die Stadt verlassen, da er in der Nacht zuvor Streit mit ein paar raufsüchtigen Jugendlichen hatte – darunter Junior, der psychopatische Sohn des Lokalpolitikers und Unternehmers „Big Jim“ Rennie. Junior hat einen unentdeckten Hirntumor, sodass er oft an Migräneanfällen leidet und ihm leider auch schnell mal die Sicherungen durchbrennen, was eine Bekannte von ihm recht bald mit dem Leben bezahlen muss. Sein Vater ist vielleicht subtiler im Handeln, aber gleichfalls sehr gefährlich, denn er will unbedingt die Macht in der Stadt an sich reißen als ersten Schritt zur höheren Karriere. Jedenfalls möchte Barbie dieses ungute Klima so schnell wie möglich hinter sich lassen, wäre da nicht plötzlich die unsichtbare Wand (vgl. Marlen Haushofers „Die Wand“), die Autofahrern und Flugzeugen, die darauf prallen, zum Verhängnis wird und offensichtlich auch Auswirkungen auf elektrische Geräte hat (ein Herzschrittmacher explodiert). Da Barbie früher in der Army war, wird er vom amerikanischen Präsidenten – dessen Name nicht genannt wird, aber es muss sich um Obama handeln, allein schon weil Big Jim ihn nicht ausstehen kann – zum Leiter der Operation ernannt, Chester’s Mill zu befreien. Er findet in der Stadt ein paar treue Freunde, etwa Julia, die Redakteurin der Ortszeitung, oder ein paar erfindungsreiche Teenager. Aber mit Big Jim und seinen Polizeikumpanen als Gegenspieler eskaliert die Sache immer mehr, Gewalt und Verbrechen nehmen zu (mit Billigung der Stadtoberen) und die Kuppel wird zur tödlichen Falle, als durch eine Gasexplosion ein Feuersturm ausgelöst und der verbliebene Sauerstoff verbraucht wird …

Als Leser stellt man sich natürlich die ganze Zeit die Frage, wer und zu welchem Zweck die Glasglocke über die Stadt gestellt hat. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage: Die Übeltäter sind nicht von dieser Welt (siehe „Es“, „Tommyknockers“, „Der Buick“…). Aber diese werden wohltuend marginal behandelt, im Mittelpunkt stehen wirklich der Kampf ums Überleben und die Verrohung der Menschen unter extremen Umständen. Auch die zunehmende Luftverschmutzung wird indirekt thematisiert. Es gibt, wie so oft bei Kings Kleinstadtgeschichten, ein großes Figurenensemble und viele davon wachsen einem im Laufe des Romans mehr oder weniger ans Herz, sodass die letzten ca. 150 Seiten, auf denen ein paar wenige Überlebende verzweifelt den Ausbruch aus der fast luftleeren Hülle versuchen, wirklich nervenaufreibend sind. Im Gegensatz zu „Puls“ von 2006 hat dieses King-Buch das Zeug zum echten Klassiker des Meisters und gehört definitiv zu den besseren seiner Werke aus den letzten Jahren. Aufgrund seines enormen Outputs bin ich nun schon wieder im Verzug bei seinen aktuellen Romanen, aber „Der Anschlag“ von 2012 soll auch sehr gut sein und irgendwann sicher mal auf meiner Liste auftauchen.

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