Ein Monat - ein Buch

März 2010: Caroline Alexander – Der Krieg des Achill

Mitunter mache ich es mir einfach und lese statt des Originaltexts eine Nacherzählung oder andere Sekundärliteratur darüber. Also kein Platon oder Kant, sondern „Das Philosophenportal“ mit nützlichen Zusammenfassungen. Keine Shakespeare-Gesamtausgabe (Das kommt noch!), sondern Charles Lambs „Tales From Shakespeare“, die ursprünglich als Einführung für Kinder gedacht waren. Der Inhalt des Nibelungenlieds wurde mir von Willi Fährmann nahegebracht. Und auch um Homer habe ich mich bislang gedrückt. Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass ich danach strebe, Texte im Original zu lesen, was aus Unkenntnis des Altgriechischen hier einfach nicht möglich ist. Außerdem kennt man den Inhalt ja längst… glaubt man. Tatsächlich wusste ich nicht, dass die „Ilias“ nicht mit Paris und der Entführung der schönen Helena beginnt, und auch das berühmte Pferd kommt hier nicht vor.

Im Mittelpunkt steht dagegen Achill, der sagenhafte Kriegsheld, dem Alexander der Große nachzueifern suchte. Am Anfang schmollt er in seinem Zelt, weil König Agamemnon ihm die geraubte Sklavin Briseis abgenommen hat. Erst sehr viel später greift er in den Kampf ein, zuvor waren die Griechen stark unterlegen und sein bester Freund Patroklos, der sich Achills Rüstung geliehen hatte, fällt im Kampf gegen Hektor von Troja. Diese Tat erregt Achills Zorn dermaßen, dass er Hektor nicht nur tötet, sondern den Leichnam mehrmals hinter seinem Wagen um die Stadt schleift. Es muss erst Hektors Vater, König Priamos selbst, zu Achill hinauskommen und um den toten Sohn flehen, bevor Achills Wut sich legt. Vorher kämpfte er nicht nur gegen Menschen, auch gegen die Götter, die im trojanischen Krieg heftig mitmischen.

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Quelle: amazon.de

Caroline Alexander stellt dieses Geschehen sehr ausführlich und mit vielen Interpretationen und Erklärungen dar. Kenntnisreich und detailliert bringt sie dem Leser die „Gesänge“ (Kapitel oder Bücher) näher, erklärt die Bedeutung dieses oder jenes Begriffs – hier habe ich z. B. gelernt, dass Götterblut als Ichor bezeichnet wird – und nach der Lektüre ist man mit dem Homerschen Epos und seinen Hintergründen so hinreichend vertraut, als hätte man es tatsächlich gelesen. Dabei wird einem auch die Aktualität des Werks klar, denn der Krieg, ungeachtet der veränderten Technik, bleibt doch im Grunde stets gleich, am Töten und Getötet-Werden hat sich seit den alten Griechen nichts geändert. Die Traumata der Krieger sind die gleichen, genau so die sinnlose Zerstörung einer Stadt – denn worum sonst geht es in diesem Krieg, da die Griechen Troja nicht erobern, nur bestrafen wollen für die Tat eines Menschen. Caroline Alexander führt vor Augen, wie Homer den Krieg in seiner ganzen blutigen Realität beschreibt und dadurch die Märchen vom „heldenhaften Sterben“ als solche entlarvt. Das Buch ist natürlich kein Ersatz für die „Ilias“, taugt aber als Einstieg und fundierte Analyse des Werks allemal und macht Lust darauf, am Ende doch einmal zum Original zu greifen.

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