Ein Monat - ein Buch

Juli 2012: Jerome K. Jerome – Three Men in a Boat

Wie ich bereits in einem früheren Post erwähnte, war in meinen Augen der einzig wirklich gute Aspekt an meinem halben Jahr in München, dass ich in der riesigen Zentralbibliothek Zugang zu jeder Menge Büchern (sowie CDs und DVDs) hatte, die ich anderswo vergeblich gesucht hatte. Ein wahres Glücksgefühl durchströmte mich, als ich nach meinem ersten Besuch mit schwerem Beutel wieder aus dem Glasgebäude am Gasteig kam – da war er wieder, dieser Rausch, den andere Frauen möglicherweise beim Shopping verspüren. Und gleich in meiner ersten Ausleihe fand sich, neben anderen Schätzen wie der 700-seitigen Dylan-Biografie von Robert Shelton und dem Oscar Wilde-Album, das ich demonstrativ in der U-Bahn mit mir rumtrug, auch endlich „Three Men in a Boat (To say nothing of the dog)“. Was mich so an dem Buch interessierte, war die Tatsache, dass ich vor der Erwähnung im „Roman-Verführer“ nie davon gehört hatte, es in England aber ein echter Klassiker zu sein scheint, der in jedem größeren Buchladen erhältlich ist. Wahrscheinlich ein typisch britisches Phänomen, wenn drei Männer und ein Hund eine Rudertour auf der Themse unternehmen und ihnen dabei allerlei merkwürdige Dinge passieren, die einer von ihnen mit bissiger Ironie und viel britischem Humor aufzeichnet. Es ist nicht besonders dick, höchstens 140 Seiten, wenn ich mich recht erinnere, was die Lektüre „short and sweet“ machte.

Quelle: http://shereadsnovels.wordpress.com

Well well well, what a jolly bunch they were

Schon der Einstieg ist witzig, denn es ist als wirklicher Erlebnisbericht geschrieben und beginnt nicht mit dem Ausflug an sich, sondern mit der Vorstellung der vier Protagonisten – George, Harris und Jerome sowie Jeromes Foxterrier Montmorency -, wie ihnen an einem Abend 1889 die Idee zu dem Unternehmen kommt und wie sie dieses vorbereiten. Sie erhoffen sich von ihrem Urlaub ein wenig Ruhe und Erholung von der Arbeit, obwohl das geplante Übernachten im Zelt alles andere als das verspricht. Allein schon die Anreise per Zug zum geplanten Ablegeort an der Themse gestaltet sich schwierig und so geht es dann weiter, eine mehr oder weniger vergnügliche Anekdote reiht sich an die nächste, durchsetzt von zahlreichen Abschweifungen. Seien es die unerwarteten Probleme, die eine Dose Ananas oder das Kartoffelschälen beim Zubereiten eines Irish Stew bereiten, das unberechenbare Wetter oder die allgemeinen Gefahren, die Booten auf der Themse drohen, es ist alles eine einzige und unterhaltsame Komödie – selbst wenn es den Herren während des Erlebens weniger so vorkommen mag, aber an Selbstironie und Witz mangelt es dem Erzähler glücklicherweise nicht.

We are very fond of pine-apple, all three of us. We looked at the picture on the tin; we thought of the juice. We smiled at one another, and Harris got a spoon ready. Then we looked for the knife to open the tin with. We turned out everything in the hamper. We turned out the bags. We pulled up the boards at the bottom of the boat. We took everything out on to the bank and shook it. There was no tin-opener to be found. Then Harris tried to open the tin with a pocket-knife, and broke the knife and cut himself badly; and George tried a pair of scissors, and the scissors flew up, and nearly put his eye out. While they were dressing their wounds, I tried to make a hole in the thing with the spiky end of the hitcher, and the hitcher slipped and jerked me out between the boat and the bank into two feet of muddy water, and the tin rolled over, uninjured, and broke a teacup.

Then we all got mad. We took that tin out on the bank, and Harris went up into a field and got a big sharp stone, and I went back into the boat and brought out the mast, and George held the tin and Harris held the sharp end of his stone against the top of it, and I took the mast and poised it high up in the air, and gathered up all my strength and brought it down.

It was George’s straw hat that saved his life that day. He keeps that hat now (what is left of it), and, of a winter’s evening, when the pipes are lit and the boys are telling stretchers about the dangers they have passed through, George brings it down and shows it round, and the stirring tale is told anew, with fresh exaggerations every time.

Harris got off with merely a flesh wound.

After that, I took the tin off myself, and hammered at it with the mast till I was worn out and sick at heart, whereupon Harris took it in hand. We beat it out flat; we beat it back square; we battered it into every form known to geometry – but we could not make a hole in it. Then George went at it, and knocked it into a shape, so strange, so weird, so unearthly in its wild hideousness, that he got frightened and threw away the mast. Then we all three sat round it on the grass and looked at it. There was one great dent across the top that had the appearance of a mocking grin, and it drove us furious, so that Harris rushed at the thing, and caught it up, and flung it far into the middle of the river, and as it sank we hurled our curses at it, and we got into the boat and rowed away from the spot, and never paused till we reached Maidenhead.

Dazwischen erfährt man aber auch viel über die Orte und Sehenswürdigkeiten, an denen sie auf ihrer Fahrt vorbeikommen, es ist also auch ein kleiner Reiseführer, der dazu inspirieren kann, selbst das Wagnis auf sich zu nehmen und die Themse zwischen Kingston und Oxford per Boot zu erkunden (wenn vielleicht auch ohne Hund). Den drei Herren reicht es am Ende jedenfalls und sie brechen die Rückfahrt unterwegs ab, um mit dem Zug nach London zurückzukehren, erstens wegen des Regens und zweitens, weil sie die Annehmlichkeiten eines ordentlichen Abendessens vermissen. So nimmt das Buch ein unerwartet schnelles und kurzes Ende in einem Restaurant:

Then Harris, who was sitting next the window, drew aside the curtain and looked out upon the street. It glistened darkly in the wet, the dim lamps flickered with each gust, the rain splashed steadily into the puddles and trickled down the water-spouts into the running gutters.  A few soaked wayfarers hurried past, crouching beneath their dripping umbrellas, the women holding up their skirts. “Well,” said Harris, reaching his hand out for his glass, “we have had a pleasant trip, and my hearty thanks for it to old Father Thames—but I think we did well to chuck it when we did. Here’s to Three Men well out of a Boat!” And Montmorency, standing on his hind legs, before the window, peering out into the night, gave a short bark of decided concurrence with the toast.

Ein durch und durch vergnügliches Buch, und wenn ich es mittags an der Isar las, konnte ich mich fast schon ein wenig in die drei Männer hineinversetzen. Um Fragen vorzubeugen: Der Film „Drei Mann in einem Boot“ mit Heinz Erhardt wurde zwar vom Roman inspiriert (und dieser findet auch im Film Erwähnung), hat aber mit der Handlung bei Jerome nur wenig zu tun.

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