Ein Monat - ein Buch

Juni 2000: Wolf Durian – Kai aus der Kiste

Eine kleine, vergnügliche Geschichte für Kinder aus den 1920ern Jahren. Kai, der pfiffige Berliner Straßenjunge, und seine Bande „Die schwarze Hand“ sind fast ebenso legendär wie „Emil und die Detektive“ und genauso einfallsreich, wenn es gilt zu zeigen, wie viel Kinder erreichen können, wenn sie nur zusammenhalten. In „Kai aus der Kiste“ will ein reicher Unternehmer aus Amerika eine neue Zigarettenmarke einführen und sucht bei einem Besuch in Deutschland den „Reklamekönig“. In sein Hotel wird eine Kiste gebracht und daraus klettert Kai, der sich als Anwärter auf diesen Posten vorstellt:

Es klopfte.

‚Herein‘, sagte Mister Joe Allan van Braams und legte die Feder hin.

‚Herrrein!‘, rief er noch einmal.

Niemand trat ein.

Mister Joe Allan stand auf und ging zur Tür. Er machte die Tür auf: niemand.

Da sagte eine Stimme: ‚Ich kann ja gar nicht herein.‘

‚Wer ist da?‘, rief Mister Joe Allan und blickte sich um.

‚Ich‘, sagte die Stimme.

‚Wo?‘, fragte Mister Joe Allan.

‚In der Kiste.‘

Kais Fähigkeiten werden durch eine Wette auf die Probe gestellt: Bis zum nächsten Morgen soll er eine Aktion durchführen, die ihn zum Stadtgespräch macht. Mit seinen Kumpels von der „Schwarzen Hand“ schafft er es, indem sie nachts einfach an allen möglichen Orten ihren berüchtigten schwarzen Handabdruck hinterlassen. Der Industrielle ist beeindruckt und startet einen Wettbewerb zwischen Kai und einem professionellen Werbeagenten, Herrn Kubalski. Jeder soll für eine Zigarettenmarke werben, die der Einfachheit halber TUT (Kai) bzw. TAT (Kubalski) heißt, und für jede Reklame, die Mr. Allan van Braams während der nächsten Tage entdeckt, bekommen sie Punkte – je ungewöhnlicher die Werbung, desto besser. Ein spannendes Konkurrieren beginnt, bei dem Kai eindeutig die kreativeren Ideen hat. So erinnere ich mich an eine Szene, in der Passanten aufgefordert werden, durch ein Fernrohr zu sehen, im Okular ist aber nur das Wort TUT zu lesen. Derweil sitzt ein kleiner Junge auf dem Bordstein und heult „Tut tut tut“ vor sich hin… Das Berlin der Goldenen Zwanziger mit all seiner Dynamik sowie seinen Licht- und Schattenseiten wird lebendig, neue Technologien wie Straßenbahnen und Telefone kommen schon ganz selbstverständlich zum Einsatz – auch für die Reklame – und der allgegenwärtige Einfluss der Werbung wird immer spürbarer. Kais Sabotageaktionen der TAT-Kampagne und seine eigene für TUT führen dazu, dass kurzfristig sämtliche Reklame verboten wird, sodass der ganze Wettkampf auf dem Spiel steht. Am Ende ist aber klar, wer (mit einer gewieften Aktion in letzter Sekunde) die Schlacht für sich entscheidet: natürlich unser kleiner Held aus der Kiste.

Die Geschichte ist wirklich alterslos, denn ihre Themen – Werbung in all ihren Facetten, aber auch Klein gegen Groß und, nicht zuletzt, das Großstadtleben – bleiben immer interessant und das Buch ist ganz wunderbar geschrieben, rasant, sachlich, was einzelne Szenen nur umso komischer macht, ich habe viel gelacht beim Lesen. Wer „Kai aus der Kiste“ noch nicht kennt, sollte das schnellstens nachholen!

Quelle: zvab.com

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