Lieblingsbücher

Astrid Lindgren – Die Brüder Löwenherz

Manche Erwachsene mögen „Die Brüder Löwenherz“ als zu düster für ein Kinderbuch halten. Ich denke, dass dies dieselben Leute sind, die auch Grimms Märchen als „grausam“ und „schädigend für die kindliche Seele“ einschätzen – tatsächlich ist es heutzutage Mode geworden, Kinder von allem Traurigen oder Gewalttätigen in Watte zu packen, wenn diese Geschichten doch nur, in einer fiktionalisierten, symbolischen Art, das Leben widerspiegeln. Und es ist falsch, Kindern bei Themen wie „Tod“ oder „Krankheit“ die Augen zu verschließen, wenn diese Dinge zu unserem Leben dazugehören. Wenn man ein solche poetisches Buch wie „Die Brüder Löwenherz“ zum Anlass nimmt, um darüber zu reden, dann umso besser.

Quelle: bibliotheka-phantastika.de

Jetzt will ich von meinem Bruder erzählen. Von ihm, Jonathan Löwenherz, will ich erzählen. Es ist fast wie ein Märchen, finde ich, und ein klein wenig auch wie eine Gespenstergeschichte und doch ist alles wahr. Aber das weiß keiner außer mir und Jonathan.

Mit diesen Worten beginnt der neunjährige Karl Löwe, genannt „Krümel“, seine Geschichte: Am Anfang ist er schwer krank und kann das Bett nicht mehr verlassen. Sein großer Bruder Jonathan ist sein Vorbild, denn er ist mutig und klug und sorgt liebevoll um den Kleinen. Als ein Feuer in der Wohnung ausbricht und Karl aufgrund seiner Behinderung sich nicht selbst retten kann, nimmt ihn sein Bruder auf den Rücken und springt aus dem Fenster – seine dabei erlittenen Verletzungen sind tödlich. Sein Opfer für Karl macht Jonathan zu einem Helden und an seinem Grab nennt ihn seine Lehrerin zum ersten Mal „Löwenherz“. Sein Bruder denkt derweil an die Abschiedsworte von Jonathan: „Weine nicht, Krümel, wir sehen uns wieder in Nangijala“. Von diesem Land hatte er ihm manchmal erzählt, um ihn zu trösten und die Angst vor dem Tod zu nehmen. Es ist „das Land der Lagerfeuer und Sagen“, wo noch Abenteuer geschehen. Eines Nachts ist es dann soweit: Karl kommt nach Nangijala, ins Kirschtal, wo Jonathan schon auf ihn wartet. Er ist dort völlig gesund und erlebt all das, wonach er sich in der anderen Welt gesehnt hat: So hat er zum Beispiel ein eigenes Pferd und kann den ganzen Tag mit seinem Bruder am Fluss sitzen und angeln. Doch die Idylle wird von dem finsteren Tyrannen Tengil bedroht, der bereits das benachbarte Heckenrosental unter seine Kontrolle gebracht hat. Jonathan und andere Bewohner Nangijalas bilden eine Verschwörung, um das Tal von Tengil zu befreien. In dieser Situation muss der ängstliche und schüchterne Krümel zum ersten Mal seine Tapferkeit beweisen, etwa als er sich ganz allein ins Heckenrosental zu Jonathan aufmacht, als er mit ihm den Anführer des Aufstands befreit, oder als er einen Verräter enttarnen muss.

„Aber es gibt Dinge, die man tun muss, sonst ist man kein Mensch, sondern nur ein Häuflein Dreck.“

Stets sind sie in Gefahr durch die Tengilmänner, die grausam, aber dumm sind. Ihre schlimmste Waffe ist das Drachenweibchen Katla, das Tengil allein mit seiner Lure beherrschen kann. Sie ist der Schlüssel zu Befreiung und gleichzeitig der Grund, warum am Ende eine neue Reise der Brüder, dieses Mal nach Nangilima, unumgänglich wird…

Quelle: czasdzieci.pl

Die Handlung mag fantastisch und abenteuerlich sein, doch wie in ihren Märchen oder in „Ronja Räubertochter“ erschafft Lindgren eine ferne, alte Welt, um dadurch zeitlose Themen zu behandeln: sei es der Kampf für die Freiheit, die bedingungslose Liebe zwischen Geschwistern oder der Sieg der Hoffnung über Krankheit und Tod. Der Roman löste bei seinem Erscheinen eine Kontroverse aus, ob darin der Tod und Selbstmord zu stark verharmlost werden; immerhin war Lindgren eine der ersten, die darüber in einem Kinderbuch schrieben. Das Ergebnis ist eines ihrer besten und schönsten Werke, das mit dem Janusz-Korczak-Preis und dem Wilhelm-Hauff-Preis ausgezeichnet wurde und das man mit 10, genauso wie mit 20, 50, 80 Jahren lesen kann – immer wird man eine tiefe Wahrheit darin finden und so manches mag man erst mit zunehmendem Alter richtig verstehen. Eine Freundin schenkte mir das Buch auf Polnisch und kein Buch hätte mich besser dazu bringen können, mir die Mühe zu machen, ein ganzes Buch (obgleich für Kinder) in einer Sprache zu lesen, die ich noch nicht gut verstand. Da wurden viele Erinnerungen wach! Nun stehen die „Bracia Lwie Serce“ in meinem Schrank und ich kann mich nicht nur an der Geschichte, sondern auch an den wunderbaren Illustrationen von Ilon Wikland erfreuen, die jedes Buch von Astrid Lindgren noch mal so schön machen.

katla

Quelle: ha-pinkas.co.il

Krümel sieht zum ersten Mal Katla

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