Ein Monat - ein Buch

Dezember 2001: Michael Ende – Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Dieses witzige Kinder-/Jugendbuch lernte ich zunächst in einem Theaterstück kennen, das wir in der 5. oder 6. Klasse besuchten. Anschließend wollte ich auch das Buch lesen, obwohl nun die Geschichte natürlich ein Stück weit ihre Spannung verloren hatte. Aber sie machte immer noch Spaß, und es empfiehlt sich, das Buch im Dezember gegen Jahresende zu lesen, weil man dann in der richtigen Stimmung für diesen merkwürdigen Silvesterabend ist, wie ihn Michael Ende beschreibt. Der Titel ist ein wunderbarer Zungenbrecher und man braucht sicher einige Anläufe, aber mittlerweile kann ich ihn mühelos aussprechen.

Quelle: literaturen.worldpress.com

Der fiese Zauberer Beelzebub Irrwitzer und seine nicht minder schlechte Tante Tyrannja Vamperl stecken in der Klemme. Es ist der letzte Tag des Jahres und sie haben noch nicht ihr Soll an bösen Taten vollbracht, wie sie vertraglich gegenüber dem Höllenfürsten verpflichtet sind. Deshalb erhalten sie Besuch von einem gewissen Maledictus Made, einem teuflischen Beamten, der ihnen droht, ihre Seelen zu pfänden. Der einzige Ausweg aus dem Schlamassel scheint der titelgebende Wunschpunsch zu sein, mit dem sie in schneller Abfolge noch jede Menge Schandtaten (wie Naturkatastrophen, Epidemien, Inflationen etc.) verüben können, indem sie einfach nur vor jedem Trunk einen Wunsch äußern. Da der Trank über eine Umkehrwirkung verfügt, kann der Wunsch sogar guter Natur sein, er wird automatisch ins Gegenteil verkehrt. Soweit der Plan – sie haben nicht mit zwei tierischen Widersachern gerechnet, die sich in ihren Haushalt eingeschlichen haben: der Kater Maurizio di Mauro und der Rabe Jakob Kraxel. Beide wurden vom Hohen Rat der Tiere entsandt, um dem Unheil Einhalt zu gebieten. Nun müssen sich die zwei erst einmal zusammenraufen und ihre persönlichen – natürlichen – Animositäten überwinden, um Beelzebub und Tyrannja zu stoppen. Die Zeit sitzt auf jeden Fall beiden Parteien im Nacken, unerbittlich tickt die Uhr bis Mitternacht herunter. Schließlich erhalten die tierischen (Anti-)Helden unerwartete Hilfe vom Heiligen Silvester, dem Schutzpatron dieses Tages. Mit vereinten Kräften und einem Trick schaffen es die Tiere, dass Hexe und Zauberer, im sturzbetrunkenen Zustand, zur Hölle fahren und die Welt (dank der vielen guten Wünsche beim Punschtrinken) in ein unglaublich gutes neues Jahr startet.

Ähnlich wie der Film „High Noon“ spielt der Roman in Echtzeit, man kann also theoretisch bei normaler Lesegeschwindigkeit die sieben Stunden bis Mitternacht in genau dieser Zeit miterleben. Wie in den anderen bekannten und wunderbaren Büchern Endes hat auch dieses eine große Portion Fantasie abbekommen, dazu sehr witzige Dialoge und zwei Bösewichte, die sich dermaßen trottelig anstellen, dass man wirklich Mitleid mit ihnen bekommt. Am Ende sind sie auch nur zwei Angestellte, die versuchen, ihren Job zu machen und ihren Boss zufriedenzustellen. Ihre Gier und ihr Egoismus tragen dazu bei, dass ihr schandhaftes Unternehmen von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Aufgrund der klaren Unterscheidung zwischen Gut und Böse und der folgerichtigen Überwindung des Bösen am Ende eignet sich das Buch bereits für Kinder ab ca. 10 Jahren, aber auch Ältere werden noch viel Vergnügliches darin finden. Es gibt nämlich auch einige Anspielungen, die Kinder noch nicht verstehen werden, etwa auf Poes „The Raven“, auf nörgelnde Kritiker à la MRR und sogar auf LSD.

Der „Wunschpunsch“ ist weniger bekannt als etwa „Jim Knopf“, „Momo“ oder „Die unendliche Geschichte“, reiht sich aber nahtlos in das großartige Gesamtwerk dieses viel zu früh verstorbenen Autors ein.

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