Ein Monat - ein Buch

August 2001: Kurt Held – Die rote Zora und ihre Bande

In dieses Buch versenkte ich mich, als ich nach den Sommerferien müde von meinem ersten Schultag in der 7. Klasse zurückgekommen war und meinen obligatorischen Mittagsschlaf gemacht hatte. Noch etwas schläfrig und bettwarm begegnete ich Zora und begleitete sie fortan auf ihren Abenteuern in einem kroatischen Küstenort. Ein Klassiker der DDR-Jugendliteratur (der Autor schrieb unter Pseudonym und war ein unter den Nazis verfolgter Kommunist), fand ich das Buch auch nach 60 Jahren noch sehr spannend und ungewöhnlich mit seiner mutigen Mädchenfigur – vor allem, wenn man bedenkt, dass es bereits 1941 erschienen ist. Ja, es gab tatsächlich schon starke, rothaarige Mädchen vor „Pippi Langstrumpf“!

Zora ist die Anführerin einer Bande von Straßenkindern, die sich die „Uskoken“ nennen. Die Uskoken waren kroatische Gesetzlose und Piraten, die im 16. Jahrhundert gegen die Osmanen kämpften, um die Unabhängigkeit des Balkans zu wahren. Zoras Bande hat sogar ein eigenes Lied, das auf diese Vergangenheit anspielt:

Oh das Meer ist so schön,
Oh das Meer ist so blau,
Uskoken seid immer bereit!
Wenn ein Windstoß sich regt,
wenn die Erde vergeht,
Und der Aar hoch über uns schreit.
Dann zu Schiff, dann zu Schiff
und die Segel gerafft
Und wir stoßen voll Freude vom Land.
Kommt ein Türke daher, schickt Venezia ein Schiff, –
Wir stürmen’s, das Schwert in die Hand!

(Dieses Lied sang ich damals zu einer selbst erdachten Melodie.)

Die Kinder verüben einige wilde Streiche und werden von den Bürgern als Ausgestoßene angesehen, obwohl sie einen starken Gerechtigkeitssinn haben und sich gegenseitig nie im Stich lassen. So befreien sie den Waisenjungen Branko, der wegen eines gestohlenen Fisches im Gefängnis sitzt. Auch helfen sie den Fischern des Ortes, sich gegen die Monopolisierung durch große Fischfanggesellschaften zu wehren. Zwar begehen die Kinder auch kleinere Diebstähle, doch tun sie dies aus Armut und es handelt sich in der Regel um Nahrungsmittel.

In den 1970er Jahren entstand in der BRD eine feministische, radikale Gruppe, die sich „Rote Zora“ nannte und beispielsweise Brandanschläge gegen Bekleidungsunternehmen oder Forschungseinrichtungen für Gentechnik ausübte.

Weniger spektakulär waren da die Romanverfilmungen, einmal als Serie und zuletzt als Kinofilm, der 2008 herauskam. Dies zeigt, dass die Thematik des Buches noch immer aktuell ist und die rote Zora nichts von ihrer Vorbildfunktion eingebüßt hat. Ich erinnere mich nicht mehr genau an die Zeit, in der ich die Geschichte las, jedenfalls war ich damals nicht besonders glücklich über meine schulische Situation und umso lieber verkroch ich mich zu Hause mit einem spannenden Schmöker wie diesem.

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