Ein Monat - ein Buch

August 2010: Stephen King – Brennen muss Salem

„God bless you, Mark Petrie“, schrieb ich an einem Augustabend in mein Tagebuch. Er ist sicher einer der mutigsten Jungen, die mir auf meiner literarischen Reise begegnet sind, allerdings sind solche Charaktere bei King keine Seltenheit (siehe z. B. „Es“ oder „Das Mädchen“). Bei ihm wachsen Kinder in gefährlichen/unheimlichen Situationen oft über sich hinaus, vielleicht weil sie noch „reiner“, weniger vom Leben belastet sind als Erwachsene und bessere Instinkte haben. Aber Mark Petrie in „Brennen muss Salem“ bleibt besonders im Gedächtnis, weil er es fast im Alleingang mit einer zunehmend größer werdenden Schar Vampire aufnehmen muss. Seine Freunde werden zu gefährlichen Wiedergängern, die nachts an seiner Fensterscheibe kratzen und Einlass begehren; seine Eltern werden getötet. Der Roman beginnt damit, wie zwei Fremde, ein Mann und ein Junge, in einer Stadt an der mexikanischen Grenze auftauchen und der Junge, blass und traumatisiert, irgendwann zusammenbricht und dem örtlichen Priester alles beichtet. Erst am Ende des Buches wird dem Leser klar, wer diese zwei Personen sind: Mark Petrie und die andere Hauptfigur von „Brennen muss Salem“, der Schriftsteller Ben Mears.

Quelle: wiki.stephen-king.de

Ben hatte als Kind in der Kleinstadt Jerusalem’s Lot (oder Salem’s Lot, der Originaltitel des Buchs) ein unheimliches Erlebnis, als er in einer Mutprobe in einem angeblich verfluchten, verlassenen Haus (dem Marsten-Haus) in ein Zimmer ging, wo sich einst jemand aufgehängt hatte. Dies verfolgt ihn noch als Erwachsener, und quasi als Gegengift kehrt er in die Stadt zurück, um ein Buch über das Spukhaus zu schreiben, was überraschenderweise einen neuen Besitzer gefunden hat. Ben verliebt sich bald in Susan Norton und findet neue Freunde in dem Lehrer Matt Burke und dem Arzt Jimmy Cody; diese Handvoll Verbündeter – plus der aufgeweckte, intelligente Mark – nehmen den Kampf auf, als sich der seltsame Eigentümer des Marsten-Hauses, Kurt Barlow, als fieser Vampir entpuppt, der allmählich eine Kettenreaktion in Gang bringt: Die von ihm in Vampire verwandelten Stadtbewohner ziehen nun ihrerseits des Nachts auf Beute aus, während sie tagsüber irgendwo im Dunkeln liegen, unter der Veranda ist z. B. ein beliebter Ort, und manchmal findet man dort ganze Familien zusammen. Die Geschichte lehnt sich bisweilen stark an „Dracula“ an, so wird etwa auch Bens Freundin Sue zum Vampir und er muss sie auf die übliche Art, also durch einen Pfahl, von ihrem Los befreien. Andererseits gibt es signifikante Änderungen, z. B. verliert plötzlich das Kreuz seine Abwehrwirkung – oder glaubt Father Callahan nur nicht mehr daran? Barlow ist ein fast übermächtiger und sehr schlauer Gegner, der sein Haus mit Fallen spickt und nach und nach schrumpft die Anti-Vampir-Einheit zusammen, bis am Ende nur noch Ben und Mark übrig sind, die zwar den „Meister“, Barlow, vernichten können, nicht aber sein großes Gefolge und nur mit Müh und Not aus dem verfluchten Salem’s Lot entfliehen können. Im Epilog kehren sie schließlich zurück, um ihr Werk zu vollenden…

Bei all den vielen King-Büchern, die ich bisher schon verschlungen habe, kann ich sagen, dass dieses, eines seiner frühen Werke (1975 nach seinem Debüt „Carrie“ erschienen), zu meinen liebsten gehört. Es ist unheimlich, traurig, sehr spannend und die Kleinstadtkulisse eignet sich perfekt für Kings übliches, breit angelegtes Figurenensemble – man wird für die Dauer der Lektüre fast schon zum Bewohner von Salem’s Lot, so gut lernt man diesen Ort kennen, samt all seiner kleinen und großen Geheimnisse. King sagte kürzlich in einem Interview zu seinem neuesten Werk, „Doctor Sleep“, dass sich der Leser emotional mit den Charakteren verbunden fühlen soll, weil er ihm so größere Angst machen kann – sehr perfide, aber genau das funktioniert in „Brennen muss Salem“ ausgezeichnet: Ich zitterte mit Mark mit und war erschüttert, als der sympathische Jimmy Cody an der Kellertreppe in eine fiese Messerfalle stürzt und stirbt – solche Schockmomente kommen bei King immer „out of the blue“. Gleichzeitig ist das Buch nicht so dick wie „Die Arena“ oder „The Stand“, das Lesen artet also nicht zur Mammutaufgabe aus: Der perfekte Ferienschmöker, auf jeden Fall für mich im Sommer 2010. Er zeigt, dass die scheinbar überstrapazierte Vampir-Thematik noch immer ihren Reiz haben kann, und gleichzeitig erinnert uns King daran, dass Untote eben keine romantischen Kuschelkameraden sind, die in der Sonne glitzern, sondern BÖSE.

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