Lieblingsbücher

Astrid Lindgren: Madita/Madita und Pims

Als ich heute über Madita nachdachte, kam mir in den Sinn, ob sie nicht gewisse Züge von Astrid Lindgren selbst trägt, wie sie als Kind war. Soviel ich aus ihren Biografien weiß, war sie gleichfalls ein erfindungsreiches und nicht sehr „mädchenhaftes“ Kind, das den ganzen Tag draußen herumtobte. Laut Wikipedia ist die Protagonistin eine Reminiszenz an ihre Freundin Anne-Marie Ingeström, die ebenfalls den Kosenamen „Madicken“ (so heißt Madita im Original) trug. In Sachen kreativen Einfällen und Unfug ist Madita fast wie eine ältere Schwester von Michel aus Lönneberga und die Geschichten spielen auch ungefähr in der gleichen Zeit, um oder kurz nach der Jahrhundertwende.

Quelle: jpc.de

Während Michel auf Katthult zu Hause ist und eine kleine Schwester namens Ida hat, wohnt Madita – oder Margareta, wie sie eigentlich heißt – mit ihrer Schwester Lisabet, die sie liebevoll Pims nennt, auf Birkenlund. Dort ist immer viel los und die beiden Mädchen erleben so einiges, stellen auch viel Unfug an, der aber meistens gut ausgeht. Zum Beispiel spielen sie an einem Sommertag „Moses auf dem Nil“ (in einem Waschzuber) und enden natürlich pitschnass in Mamas besten Sachen. Beim Nachspielen einer anderen biblischen Szene, „Josef im Brunnen“, ist Lisabet plötzlich wirklich verschwunden, als hätten sie vorbeiziehende Sklavenhändler herausgeholt – in Wirklichkeit war es der Nachbarsjunge Abbe. Dieser Abbe ist schon älter, aber Maditas bester Freund, denn trotz seiner manchmal derben Scherze (er macht ihr etwa glaubhaft, sie hätten ein Gespenst im Schuppen und jagt ihr einen ordentlichen Schrecken ein) hat er doch ein goldenes Herz. Der Junge hat nicht einfach, denn sein Vater ist ein Trunkenbold und Abbe muss in der Bäckerei schon zum Lebensunterhalt beitragen. Im Gegensatz zu ihm führen Madita und Lisabet ein sehr behütetes und wohlhabendes Leben mit einem Vater, der in der nahen Stadt bei der Zeitung arbeitet. Übrigens gehen nicht alle ihre Abenteuer ohne Schaden aus, wie sich leicht vermuten lässt, als Madita – inspiriert von einer Zeitungsmeldung – der Einfall kommt, mit einem aufgespannten Schirm vom Dach zu springen… Eine weitere Figur in den Geschichten ist Mia, ein etwas verwahrlostes Kind, das in Maditas Klasse geht und den Spitznamen „Lause-Mia“ trägt. Sie ist rauflustig und gerät oft mit Madita aneinander, später werden sie jedoch Freunde und alle Mädchen werden zusammen entlaust. Auf diese Weise kommt auch wieder Lindgrens feines Gespür dafür, soziale Themen in ihre Geschichten zu packen und an das Gerechtigkeitsgefühl der Kinder zu appellieren, zum Tragen. Weitere Beispiele dafür sind Linus-Ida, eine arme ältere Frau, die mitunter auf Birkenlund aushilft und den Kindern Gruselgeschichten erzählt sowie Lindkvist, der „nicht ganz richtig im Kopf“ ist und einmal versucht, Lisabet bzw. später das in „Madita und Pims“ geborene Geschwisterchen Kajsa zu stehlen – zu viel Einsamkeit und Trauer haben ihn verrückt gemacht, er sehnt sich einfach nach Gesellschaft. Solche Zusammenhänge werden einfühlsam erklärt, denn die Kinder haben zum Glück sehr liberale Eltern, die sich die Mühe machen, ihnen Toleranz und Mitgefühl zu vermitteln. Sie nehmen auch ihr Dienstmädchen Alva mit auf einen Ball und verursachen dadurch einen ziemlichen Skandal – niemand traut sich, sie zum Tanzen aufzufordern, bis der Schornsteinfeger der Stadt den Abend für sie rettet.

Quelle: buecher.de

Madita und Lisabet wurden so beliebte Figuren, dass einige Bilderbücher zu ihnen veröffentlicht wurden: „Guck mal, Madita, es schneit“, „Als Lisabet sich eine Erbse in die Nase steckte“ und „Wie gut, dass es Weihnachtsferien gibt, sagte Madita“ (letztere zwei beruhen auf Kapitel aus den bereits erschienenen „Madita“-Büchern). Die verwöhnte, manchmal zickige und gemeine, aber unwiderstehlich süße Lisabet („zum Anbeißen“) kann es übrigens problemlos mit Lotta aus der Krachmacherstraße aufnehmen. Und Madita selbst reift besonders im zweiten Buch, „Madita und Pims“, immer mehr zu einem verantwortungsbewussten und klugen Mädchen heran, das sich liebevoll um die jüngeren Geschwister kümmert und Verständnis für andere entwickelt. Ich muss es eigentlich nicht extra erwähnen: Die Madita-Bücher sind genau so wunderbar und wecken ein so warmes Gefühl in der Brust wie alle anderen Lindgren-Werke. Vielleicht liegt es daran, dass sie ihre Leser ernst nahm und aus so einem reichen Schatz ihrer eigenen Kindheit schöpfen konnte. Ja, Astrid Lindgren hat „Seligkeitsdinger“ geschaffen, die eine alterslose Schönheit besitzen.

Quelle. lovelybooks.de

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