Ein Monat - ein Buch/Einmal und nie wieder

Juli 2002: Jostein Gaarder – Sofies Welt

Das Buch gehörte zu den ersten, die ich aus der Erwachsenenbibliothek auslieh, es wurde während der Sommerferien 2002 gelesen. Philosophie hat mich schon immer interessiert, aber statt die großen Denker und ihre Werke original zu lesen, habe ich stets lieber zu Sekundärliteratur gegriffen, in denen Zusammenfassungen und Erklärungen ihrer Ideen und Theorien zu finden sind, gern auch mit Illustrationen und prägnanten Zitaten. Mein Problem ist, dass ich beim Lesen das meiste zwar logisch finde, auch nachvollziehen kann, aber das Wenigste dann behalte oder in eigenen Worten wirklich wiedergeben könnte. Es ist eben meist sehr komplex, viele Theorien bauen auf andere auf oder widersprechen ihnen, sodass man kaum einen Philosophen isoliert betrachten kann. Und schließlich erscheinen uns viele Denkweisen oder Ansichten so selbstverständlich, dass wir ihre damalige Radikalität kaum noch verstehen können bzw. über andere lachen, die einmal als gültig betrachtet wurden.

Quelle: books-cupcakes.blogspot.de
Was drauf steht ist auch drin

„Sofies Welt“ kann man als meine Einführung in die Philosophie bezeichnen, umso gespannter war ich damals, das Buch zu lesen. Von der Sache her ist es auch nicht schlecht gemacht: Die gesamte Geschichte des Denkens in einem Roman verpackt, der selbst zum Philosophieren anregt. Genau so ergeht es der Protagonistin, der 14-jährigen Sofie, die mysteriöse Briefe erhält, die sie mit elementaren Fragen der Philosophie konfrontieren und eben auch einen Streifzug durch die Geschichte von Plato über Thomas von Aquin bis Freud (dabei ist mir das markante Traumbeispiel von zwei Luftballons im Kopf geblieben, die natürlich als zwei Brüste gedeutet werden können) bieten. Verfasser ist ein älterer Herr, Alberto Knox, den Sofie auch bald persönlich kennenlernt und mit dem sie gern und oft diskutiert. Die Wendung, die mir dann gar nicht gefiel und die mir das Buch nachhaltig verleidet hat, war der Moment, als das Mädchen feststellt, dass sie nur eine Romanfigur ist – wenn ich eine fiktive Geschichte lese, sollen die Charaktere darin ihre eigene Fiktion nicht erkennen oder gar bekämpfen, da sie für mich in diesem Augenblick sowieso Realität sind. Vor allem dann noch anzudeuten, wir alle könnten nur literarische Gestalten sein…! Gut, das mag dann wirklich angewandte Philosophie sein, aber da bin ich zu nüchtern und liebe zu sehr den Gedanken, einen freien Willen zu haben, als dass ich mich auf derlei Gedankenspiele einlassen möchte, nur im Kopf eines Autors zu existieren. Ich kannte mal jemanden, der die Annahme möglich fand, dass sein Leben wie in der „Truman-Show“ nur ein vorgeschriebenes, choreografiertes Fernsehspiel sein könnte, mit einem Haufen Statisten um ihn herum. Very weird.

Um zu „Sofies Welt“ zurückzukehren: Ich war also ziemlich enttäuscht und gegen Ende des Buchs wurden die Kapitel zu einzelnen Philosophen auch langweilig, es waren einfach zu viele Informationen und ich mochte, wie gesagt, den Lauf der Handlung nicht. Ein Mädchen in meiner Russischklasse war allerdings eine begeisterte Gaarder-Leserin und sie lieh mir „Das Kartengeheimnis“, einen weiteren Roman, der sich mit philosophischen Fragen, einer Reise und einem mysteriösen Joker beschäftigt. Wirklich schön und empfehlenswert fand allerdings ich nur „Das Weihnachtsgeheimnis“, ein Roman wie ein Adventskalender, bei dem jeden Tag ein weiteres Kapitel gelesen werden kann. Insgesamt ist das mit Jostein Gaarder so eine Sache: Man kann ihn mögen, aber mit der Zeit wird man des gewissen pseudo- oder populär-philosophischen Musters überdrüssig, das ist so ähnlich wie bei Paulo Coelho (*schüttel*). Im Falle von „Sofies Welt“ ist es als Einführung in die Philosophie ganz gut, aber wenn man sich ernsthaft damit auseinander setzen möchte, kommt man um die Originalwerke nicht herum. Nur habe ich dafür noch nicht die nötige Geduld und Muße aufgebracht.

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