Ein Monat - ein Buch

Juli 2001: Frances Hodgson Burnett – Der geheime Garten

Frances Hodgson Burnett ist vor allem durch ihr Buch „Der kleine Lord“ bekannt, dessen Verfilmung alljährlich zur Weihnachtszeit im Fernsehen gezeigt wird. Mir persönlich gefällt „Sara, die kleine Prinzessin“ sehr viel besser, und „Der geheime Garten“ erst – sicher eines der schönsten Kinderbücher, das mir je untergekommen ist. Einen wesentlichen Anteil daran hatten sicher die herrlichen Illustrationen von Graham Rust, ein wirkliches „Bilderbuch“ und Fest für die Augen. Die Geschichte selbst ist natürlich auch nicht zu vernachlässigen: Ich hatte sie zuerst in einem Radiohörspiel am Ostersonntag gehört und war dann ganz überrascht, das Buch in der Bibliothek zu finden. Unverhofft kommt eben oft.

Quelle: buch.de

Am Anfang kommt die in Indien aufgewachsene Mary nach England zu ihrem Onkel, weil ihre Eltern gestorben sind. Hauptsächlich von Dienstboten aufgezogen, ist sie ein völlig verwöhntes und temperamentvolles, stures Kind, die zuerst mit nichts in ihrer neuen Umgebung zufrieden ist. Auf dem Landsitz ist sie auf sich gestellt und keiner kümmert sich weiter um sie, eine ganz andere Situation als in Indien. Als Mary von einem geschlossenen Garten hört, der der verstorbenen Frau ihres Onkels gehörte und seit einem tragischen Unfall nicht mehr geöffnet wurde, ist sie entschlossen, die Pforte dazu zu finden. In der Zwischenzeit schließt sie Freundschaft mit dem Gärtner, mit ihrem Dienstmädchen Martha und deren kleinen Bruder Dickon. Auch Robin, ein freundliches Rotkehlchen, gehört zur Runde. Mary ist den ganzen Tag draußen unterwegs, ihr Appetit wächst, sie wird zu einem fröhlichen und gesunden Kind. Mithilfe des Rotkehlchens gelingt es ihr, den überwuchernden, ungenutzten Garten ihrer Tante zu öffnen und heimlich wieder zum Leben zu erwecken.

…What was this under her hands which was square and made of iron and which her finger found a hole in?

It was the lock of the door which had been closed ten years and she put her hand in her pocket, drew out the key and found it fitted the keyhole. She put the key in and turned it. It took two hands to turn it, but it did turn. And then she took a long breath and looked behind her up the long walk to see if anyone was coming. No one was coming. No one ever did it seemed, and she took another long breath, because she could not help it, and she held back the swinging curtain of ivy and pushed back the door that opened slowly – slowly. Then she slipped through it, and shut it behind her, and stood with her back against it, looking about her and breathing quite fast with excitement, and wonder, and delight.

She was standing inside the secret garden

In der Nacht hört das Mädchen manchmal einen seltsamen Ton, wie ein Weinen, und als sie dem Geräusch einmal nachgeht, entdeckt sie einen etwa gleichaltrigen Jungen: Colin, ihren Cousin, der aufgrund eines angeblich kranken Rückens nicht nach draußen darf und der zum Ausgleich völlig verhätschelt wird – ungefähr so wie Mary früher, auch mit dem gleichen quengelnden und nie zufriedenen Naturell. Sein Vater will ihn nicht sehen, weil er ihn an seine geliebte Frau erinnert (wirklich sehr übel). Allmählich gelingt es Mary, Colins Vertrauen zu gewinnen und ihn zu überzeugen, dass er gar nicht so krank ist, wie er glaubt und dass das Leben draußen – zum Beispiel der geheime Garten – nur darauf wartet, von ihm entdeckt zu werden …

Quelle: readalouddad.com

Die Geschichte handelt also von der heilenden Kraft der Natur, und wie sie dazu beiträgt, alte Wunden zu schließen. Natürlich ist die Moral etwas einfach: nimm ein an Seele und Körper krankes Kind und lass es draußen herumtollen und lernen, dann wird es gesund – aber vielleicht ist es ja so einfach. Schaden kann es auf keinen Fall. Das Symbol des verschlossenen, „toten“ Gartens ist wie eine Metapher für Colin (im gleichen Maß wie er zu laufen lernt, erblüht der Garten auch wieder), aber auch für seinen Vater, der schmerzliche Dinge lieber wegschließt anstatt seine Trauer aktiv zu verarbeiten. Die Kinder erweisen sich als die Personen mit den besten und natürlichsten Instinkten, wenn man sie nur lässt und nicht sinnlos verhätschelt oder überbehütet. Ein zeitloser Kinderbuchklassiker, den man nicht verpassen darf – und die wunderbaren Illustrationen von Graham Rust erst recht nicht.

bsittingwithfoxes

Quelle: grahamrust-murals.com

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