Ein Monat - ein Buch

August 2003: Nicolaus Schröder – 50 Klassiker: Filme

Ich habe immer Filme geliebt – wer tut das nicht? – und als Kind war es ein großer Kummer für mich, dass ich nie ins Kino gehen konnte. Das geschah erst, als ich 13 war, wir sahen „Spirit, der wilde Mustang“ … Vorher hatte ich natürlich Filme im Fernsehen gesehen und ließ mich davon zu Tränen rühren, versteckte mich vor Angst hinterm Kissen, fieberte mit den Helden mit; ganz genau wie heute (nur passiert es heute nicht mehr so leicht, als Kind ist man wahrscheinlich noch empathischer und leichter zu beeindrucken, als Erwachsener sieht man alles distanzierter, ahnt das Ende, begegnet Kitsch und Pathos mit Ironie, ich zumindest). Aber wie bei Büchern bin ich der Ansicht, dass man einige Filme gesehen haben sollte, als cineastischen Bildungskanon quasi. Nur welche Werke dazugehören, daran scheiden sich die Geister. Und es hat ja auch etwas mit bevorzugten Genres zu tun: Auch wenn „Der Pate“ regelmäßig auf den vorderen Plätzen in „Beste Filme aller Zeiten“-Listen landet, habe ich ihn bisher nicht gesehen, weil er mich einfach nicht sonderlich interessiert. Das gleiche gilt für „Star Wars“ oder „Pulp Fiction“, die beide eine große und begeisterte Anhängerschaft haben. Phh, I’ll stick to my „Titanic“, „Notting Hill“, “Breakfast at Tiffany’s” and the like.

Quelle: amazon.de

Letzterer war sogar in “50 Klassiker – Filme” vertreten, eines der allerersten Buch aus dieser Reihe, das ich las – viele weitere sollten folgen, ich liebe das Konzept über alle Maßen, in 50 längeren Beiträgen und kurzen Zusammenfassungen eine Art Überblickswissen zu einem bestimmten Thema zu erhalten, sei es Schiffe, archäologische Stätten, deutsche Schriftsteller oder Opern. Und ich mag den Geruch dieser Bücher, nebenbei bemerkt. Bei Nicolaus Schröder taucht man tief in die Filmgeschichte ein: Er beginnt mit „Birth of a Nation“ von 1916, lässt Stummfilmklassiker wie „Nosferatu“ und „Das Kabinett des Dr. Caligari“ nicht aus, und Epen wie „Vom Winde verweht“ dürfen ebenso wenig fehlen wie der Kritikerliebling „Citizen Kane“. So geht es durch die Jahrzehnte bis in die 80er: Die „neuesten“ Filme bei ihm sind „E.T.“, „Blade Runner“ und „Shoah“ – vielleicht liegt es daran, dass das Buch um die Jahrtausendwende herum erschien und der Autor keine Filme, die jünger als 15 Jahre waren, als „Klassiker“ bezeichnen wollte. Manche sind umstritten, andere Publikumslieblinge, aber alle waren auf ihre Weise einflussreich und noch heute wert, angesehen zu werden. Man erhält einen guten Überblick über verschiedene Genres und Strömungen, sei es Komödie (Marx Brothers) oder Nouvelle Vague („Außer Atem“, „Jules und Jim“), Trickfilm (Disneys „Schneewittchen“), Hitchcock-Thriller („Das Fenster zum Hof“), Western („Spiel mir das Lied vom Tod“) oder Dokumentarfilm („Der ganz gewöhnliche Faschismus“). Filme aus Russland („Wenn die Kraniche ziehen“, „Der Mann mit der Kamera“) finden sich ebenso wie aus Japan („Rashomon“). Natürlich ist das hier eher das Kino des Filmliebhabers und -kenners als das von Otto Normalgucker. Und vielleicht habe ich durch dieses Buch meine Meinung geformt, dass man „Star Wars“ nicht gesehen haben muss, „Panzerkreuzer Potemkin“ schon … Eine vollständige Liste der besprochenen Werke findet man hier.

Neben „Frühstück bei Tiffany“ sind zwei weitere meiner Lieblingsfilme in den „50 Klassikern“ enthalten: das großartige „Blow Up“ über einen Fotografen und eine Leiche im Swinging London der 60er sowie, aus dem gleichen Jahrzehnt, „Yellow Submarine“. Wahrscheinlich habe ich wegen der Beatles das Buch überhaupt ausgeliehen, ich sah den Film im Juni 2003 (war es der 5.? Ich war jedenfalls ungeheuer aufgeregt und glücklich) und fand ihn wie alles, was mit den Fab Four zu tun hatte, fantastisch. Sehr komisch, psychedelisch, mit vielen Anspielungen und tollen Songs. Zugegeben eine eher ungewöhnliche Wahl für „50 Klassiker“, aber vielleicht zählten auch persönliche Präferenzen zu den Kriterien? Quasi als Fortsetzung zum Buch sind noch die „50 Klassiker – Filmregisseure“ zu empfehlen, das meinen cineastischen Horizont noch mal erweiterte, quasi auf Monumentalgröße à la Cecil B. DeMille.

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