Ein Monat - ein Buch

Januar 2003: Jürgen Seibold – Beatlemania

Oh my God, how I was crazy about them. So schlimm, dass ich dieses heftähnliche Buch damals in der Bibliothek einfach einsteckte, ohne es ordnungsgemäß zu entleihen. Wie im Post zum meinem Lieblingsbuch „A Hard Day’s Night“ erwähnt, schämte ich mich anfangs noch außerordentlich dafür, Beatles-Fan zu sein und wollte dieses Geheimnis lieber mit niemandem teilen. Vor allem nicht mit meiner Mutter, die damals die Angewohnheit hatte, alles, was ich aus der Bücherei anschleppte, feucht abzuwischen (was angesichts der vielen Jahre und vielen Hände, durch die das Zeug so wandert, sicher nicht falsch ist, aber kaum gemacht wird, auch nicht von mir). Und ich mit meiner schweren Pubertätskrise hatte ein Alter erreicht, wo man auch mal was für sich behalten will. Vor allem etwas so Aufregendes, Schönes, Weltveränderndes wie es die Beatles (und insbesondere Paul) damals für mich waren. Ich versteckte das Heft in einem Schubkasten und hatte in den ersten Januarwochen 2003 keine schönere Beschäftigung, als mich an die Heizung zu kuscheln und mein Grundwissen über meine neue Lieblingsband zu erweitern, indem ich die Texte immer und immer wieder las.

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Quelle: ebay.de

Wie der Titel verrät, wird in diesem Buch aus der Reihe „VIP – Very Important Paperbacks Music“ des Wiener Zsolnay-Verlags die „manische“ Zeit der Beatles behandelt: Von den Anfängen in Großbritannien 1963, wo sie spätestens seit ihren Auftritten bei „Live at the London Palladium“ und der „Royal Variety Show“ (in der John Lennon die legendäre Bemerkung machte, dass die Zuschauer auf den billigen Plätzen mitklatschen und die anderen einfach mit ihrem Schmuck klappern sollen) in aller Munde waren und die Teenager bereits reihenweise in Ohnmacht fielen; über ihre Eroberung der USA mit freundlicher Hilfe von Ed Sullivan; bis zu ihren zwei Filmen „A Hard Day’s Night“ und „Help!“ aus dieser Zeit und ihrem erschöpften Rückzug aus dem Tour-Trott, was dem weltweiten Gekreische ein abruptes Ende bereitete. Besonders interessant fand ich die vier Einzelbiografien, die jeweils mit einer klischeehaften Charakterisierung überschrieben waren, z. B. „John – der intelligente Zyniker“ oder so ähnlich. Ich glaube, als ich dieses eine Porträtfoto von Paul am Anfang des ihm gewidmeten Kapitels sah, verlor ich endgültig mein Herz an ihn (leider finde ich es partout nicht im Internet). Im Kapitel über George las ich zum ersten Mal von seinem Sololied „When We Was Fab“, ich fand den Titelnamen herrlich und brauchte ewig, bis ich merkte, dass er grammatikalisch falsch ist, typisch für Georges herrlichen Humor.

Natürlich ist alles ohne viel Tiefgang und im Plauderton geschrieben, aber äußerst unterhaltsam und mit einer gewissen Nostalgie: die Beatlemania war zum Zeitpunkt des Erscheinens 30 Jahre her, bei meiner Lektüre waren noch mal 10 weitere Jahre vergangen und nun liegt ein halbes Jahrhundert dazwischen – ist es denn zu fassen! Deshalb finde ich es immer seltsam, wenn ältere Leute sagen, die Beatles wären der Soundtrack ihrer Jugend gewesen, weil sie auch Teil meiner Jugend waren. Am Ende des Hefts gibt es eine Diskografie mit allen Alben, die fein säuberlich von mir abgeschrieben und wie ein Schatz gehütet wurde. Das war die Zeit, als ich begann, alle Beatlessongs, die ich im Radio erwischte (wofür ich oft lange und geduldig suchen musste), aufzuschreiben und immer mal wieder ein bisher unbekanntes Lied hörte, was jedes Mal ein großes Fest war. Dank der Diskografie konnte ich dann gleich rauskriegen, von welchem Album ein Song stammte – in those good old days hatte ich noch keinen Internetzugang. Vom Autor Jürgen Seibold stammen übrigens etliche solcher Musikerbiografien, von U2 über die Kelly Family bis Depeche Mode, außerdem hat er Krimis, Historienromane und etliches mehr verfasst, ein äußerst fleißiger Schwabe. Für ihn war „Beatlemania“ nur ein weiteres Auftragswerk, aber ich werde mich immer mit großer Wärme daran erinnern, denn es war Teil des Zaubers, der jedem Anfang innewohnt. Irgendwann wurde es dann übrigens doch entdeckt und ich musste es in der Bücherei verstohlen wieder an seinen alten Platz stellen … Ich war nie gut im Verstecken. Aber wie heißt es so schön: It’s such a feeling that my love I can’t hide!

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