Ein Monat - ein Buch

Oktober 2004: Rolf H. Johannsen – 50 Klassiker: Gemälde

Die „50 Klassiker“-Reihe aus dem Gerstenberg habe ich ja bereits in einigen Posts vorgestellt und ihr hervorragendes Konzept mit der Mischung aus längeren Texten zu jedem Eintrag, Infokästen, Zusammenfassungen und Bildern gepriesen, die jedes Thema, ob Heilige oder erotische Romane, zu einer großen Entdeckungsreise machen. Die Verlagsseite dazu ist leider leer, bedeutet das etwa, dass die Reihe eingestellt wurde? Das wäre in der Tat sehr schade.

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Quelle: eurobuch.com

Jedenfalls fand ich 2004 in meiner Stadtbücherei die “50 Klassiker – Gemälde” und war gleich Feuer und Flamme. Ich weiß nicht genau, wann meine Liebe zur Kunst begann, vielleicht hatte ich schon immer einen gewissen Sinn für Schönheit, aber auch mein Vater nährte dieses aufkeimende Interesse. Das auch immer einher ging mit einem Wissensdurst, was Kunstgeschichte, Epochen und Künstler betraf, ich war stolz darauf, berühmte Werke ihren Urhebern zuordnen zu können und identifizierte natürlich früh diejenigen, die mir besser als andere gefielen. Da kam dieses Buch wie gerufen: Von Cimabues “Thronender Muttergottes” aus dem 13. Jahrhundert bis zu Warhols “Marilyn Diptych” aus den 1960ern – beides Ikonen auf ihre Art – stellt der Autor, aus Husum stammender Kunstgeschichtswissenschaftler und Archäologe, in chronologischer Reihenfolge fünfzig Gemälde vor, von denen die meisten weltbekannt sind, und erzählt ihre Hintergrundgeschichte. Man lernt, worum es sich bei einem Diptychon handelt (ein zweiteiliges Gemälde zum Aufklappen), dass die „Nachtwache“ ursprünglich gar keine war und dass es Goyas „Maja“ in zwei Fassungen gibt, einmal verhüllt, einmal nackt, wovon die letztere aus naheliegenden Gründen berühmter ist. Ganz nebenbei lernt man so die stilprägenden Merkmale der einzelnen Epochen kennen, wie sich Techniken und Motive weiterentwickelten, wer die Auftraggeber waren und wer die Künstler. Zu letzteren gibt es übrigens einen weiteren, sehr empfehlenswerten Band der Reihe, die „50 Klassiker – Maler“. Ein Glossar fachlicher Begriffe und weitere Leseempfehlungen runden das Ganze ab.

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Quelle: zeno.org

Darf nicht fehlen: Friedrichs gigantisches „Eismeer“

Wie bei allen diesen Auflistungen kann auch diese nicht vollständig sein und jeder mag wohl einige Gemälde vermissen oder der Meinung sein, dieses oder jenes sei nun das größere Meisterwerk des jeweiligen Künstlers. Auch kann es den Gang ins Museum nicht ersetzen, denn nichts kommt dem Gefühl gleich, ein Gemälde, das man schon so oft irgendwo abgedruckt gesehen hat, plötzlich vor einem hängen zu sehen (das ging mir vor allem im Louvre so, und nicht nur bei der „Mona Lisa“, die bei Johannsen natürlich nicht fehlen darf und deren mysteriöses Lächeln auch in da Vincis meiner Meinung noch wunderbareren „Heilige Anna selbdritt“ zu finden ist). Aber inspirieren dazu kann es auf jeden Fall und auch als schnelles Nachschlagewerk, in dem man sich schnell festliest. Und wenn man erst mal angefixt ist, ist es nur ein kleiner Schritt zu den schweren Bildbänden, die ich so liebe und die man wunderbar zum Pressen geknickten Papiers nehmen kann, wenn man nicht gerade all die Schönheit bewundert, die uns die Meister vergangener Jahrhunderte beschert haben. Die „50 Klassiker“ sind da weitaus leichter und man braucht keine Angst haben, von ihnen erschlagen zu werden, auch nicht von den Texten, die stets informativ und detailliert, aber nie ausufernd sind. Derzeit eben leider nur noch gebraucht zu haben, aber absolut lohnenswert.

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