Ein Monat - ein Buch

Oktober 2005: Harry Potter and the Half-Blood Prince

Dieser Tage jährt sich die Veröffentlichung des ersten Harry-Potter-Bandes zum 20. Mal – kaum zu glauben. Natürlich hat es ein bisschen gedauert, bis der Hype an Fahrt aufnahm, zumindest außerhalb des englischsprachigen Raums (wir sprechen hier von der Pre-Social Media-Ära, woran schon ersichtlich wird, dass es sehr lange her sein muss). Ich las die ersten vier Bücher Ende 2001 und freute mich anschließend über jede Neuerscheinung, auch wenn ich nie zu den Hardcore-Fans gehörte, die nachts vor Buchläden Schlange standen. Die meisten Bücher habe ich zudem nur einmal gelesen und die Filme haben mich nie sonderlich interessiert. Trotzdem würde ich sagen, dass Harry mich durch meine Teenagerzeit begleitet hat und es mir leid tat, mich 2007 von ihm zu verabschieden. Dennoch finde ich es irgendwie nicht in Ordnung, dass Rowling mit „The Cursed Child“ eine Fortsetzung auf den Markt gebracht hat. Ich will Harry nicht als erwachsenen Familienvater erleben, die wenigen Seiten am Ende von „Deathly Hollows“ haben mir als Blick in die Zukunft gereicht. Aber die Nachfrage nach „mehr“ ist eben da, wie auch an dem Franchise „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ersichtlich.

Harry_Potter_and_the_Half-Blood_Prince

Quelle: harrypotter.wikia.com

Nachdem ich den Versuch, „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ auf Englisch zu lesen, noch entnervt abgebrochen hatte, weil es mir durch das häufige Nachschlagen von Wörtern viel zu langsam ging, kam ich zwei Jahre später ganz gut damit klar. Also ist es vielleicht der Tatsache geschuldet, dass sich in der Handlung die Dinge zunehmend nur so überschlagen, dass ich mich an wenige Szenen konkret erinnern kann. Das sehr dunkle Ende bleibt natürlich unvergesslich: Mit viel Tamtam war vor Erscheinen angekündigt worden, dass eine wichtige Figur sterben würde (die Briten gaben natürlich Wetten ab) und einige verbreiteten sogar die Seitennummer für alle, die nicht das ganze Buch lesen durchackern wollten, um informiert zu sein. Ich hingegen verstopfte mir die Ohren und zögerte den Moment der Wahrheit so weit wie möglich hinaus.

Doch bereits das gesamte 6. Schuljahr steht unter keinem guten Stern: Die Angst vor Totessern hat zu einer massiven Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen geführt. Harry wird von Dumbledore persönlich bei den Dursleys abgeholt, weil er ihn bei den Weasleys sicherer glaubt, und im Laufe des Schuljahres so gut wie möglich auf den bevorstehenden Showdown vorbereitet.  Severus Snape bekommt endlich den von ihm heißersehnten Posten als Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, während an seine Stelle als Zaubertrank-Lehrer Professor Slughorn tritt. Überraschenderweise ist Harry plötzlich Meister in diesem Fach, dank eines Lehrbuchs, das (laut eines Eintrags) ehemals dem „Halbblutprinz“ gehörte und jede Menge Notizen und Anweisungen enthält, die das Brauen der Zaubertränke erheblich erleichtern. Außerdem gehört er zu Slughorns Lieblingen, jedenfalls solange bis Harry herauszufinden versucht, welche Verbindung zwischen dem Professor und Voldemort bzw. Tom Riddle bestand. Schließlich erfährt er von der Existenz der Horkruxe, in denen Voldemort Teile seiner Seele versteckt, um sich unsterblich zu machen. Diese müssen vernichtet werden oder er wird niemals endgültig besiegt sein. An einen davon, das Medaillon von Salazar Slytherin, versuchen Harry und Dumbledore zu gelangen, doch der Preis dafür ist, dass der Schulleiter ein Gift trinkt, der ihn weitestgehend kampfunfähig macht, als er sich bei der Rückkehr Draco und einigen Totessern gegenüber sieht, die  versuchen, ihn zu töten.

But somebody else had spoken Snape’s name, quite softly.

“Severus . . .” The sound frightened Harry beyond anything he had experienced all evening. For the first time, Dumbledore was pleading. Snape said nothing, but walked forward and pushed Malfoy roughly out of the way. The three Death Eaters fell back without a word. Even the werewolf seemed cowed. Snape gazed for a moment at Dumbledore, and there was revulsion and hatred etched in the harsh lines of his face.

“Severus . . . please . . .”

Snape raised his wand and pointed it directly at Dumbledore.

Am Ende ist es also Snape, der den Todesfluch ausspricht und sich damit endgültig den Platz als unbeliebteste Figur der Saga sicherte. Bereits zuvor hatte Harry erfahren, dass es Snape gewesen war, der dem dunklen Lord die Prophezeiung über ihre miteinander verflochtenen Schicksale verriet und somit zur Ermordung seiner Eltern beitrug. Gleichzeitig beginnt der Leser jedoch zu ahnen, dass mehr hinter dieser Figur steckt als auf den ersten Blick erkennbar ist: Zum einen ist Dumbledore von Snapes Treue und seiner Abkehr von Voldemort felsenfest überzeugt und zum anderen enthüllt er schließlich, dass er selbst der Halbblutprinz ist – ein „Schlammblut“, was sich empfindlich auf sein Selbstwertgefühl auswirkte und mit Sicherheit auch zu seiner Hinwendung zu den dunklen Künsten beitrug, um sich zu behaupten.

Schließlich haben wir noch die üblichen amourösen Verwicklungen, auch wenn es allmählich ernster als in den vorherigen Bänden wird. Ron entdeckt endlich seine Gefühle für Hermine, wird er doch rasend eifersüchtig, als er von ihrer Liebelei mit Krum erfährt und rächt sich durch eine Kurzbeziehung mit Lavender Brown. Harry fühlt sich unterdessen immer mehr zu Ginny hingezogen, doch aus Rücksicht auf Ron hält er sich zunächst zurück.

She’s Ron’s sister, Harry told himself firmly. Ron’s sister. She’s out-of-bounds. He would not risk his friendship with Ron for anything. He punched his pillow into a more comfortable shape and waited for sleep to come, trying his utmost not to allow his thoughts to stray anywhere near Ginny.

Am Ende kommen sie doch zusammen, doch kann Harry wirklich eine Beziehung wagen, wenn all seine Gedanken und Handlungen auf das Vernichten von Voldemort ausgerichtet sein müssen? Auch Ron und Hermine will er weitestmöglich aus allem raushalten, er begreift es als „seine“ Mission, wohl auch angesichts Dumbledores Tod, der für ihn wie eine Vaterfigur war und dessen Ende er hilflos mitansehen musste. Sein Herz schreit nach Rache.

“Then I’ve got to track down the rest of the Horcruxes, haven’t I?” said Harry, his eyes upon Dumbledore’s white tomb, reflected in the water on the other side of the lake. “That’s what he wanted me to do, that’s why he told me all about them. If Dumbledore was right – and I’m sure he was – there are still four of them out there. I’ve got to find them and destroy them, and then I’ve got to go after the seventh bit of Voldemort’s soul, the bit that’s still in his body, and I’m the one who’s going to kill him. And if I meet Severus Snape along the way,” he added, “so much the better for me, so much the worse for him.”

Doch für seine Freunde steht es außer Frage, dass sie ihm beistehen werden. Das sehr dramatische Ende ist jedenfalls ein Vorgeschmack auf die Geschehnisse im finalen Buch. Nach Dumbledores Tod kann in Hogwarts nichts mehr sein wie bisher und folgerichtig werden unsere drei Helden nur für den Endkampf dorthin zurückzukehren, nicht zum Unterricht. Wenn es endgültig heißt: „Auf Wiedersehen, Kinder.“

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