Ein Monat - ein Buch

Juni 2009: Ernest Hemingway – Paris – Ein Fest fürs Leben

Dieses Buch ist eine Sammlung von Erinnerungen Ernest Hemingways an sein Leben in Frankreich während der 1920er Jahre. Es treten bekannte Zeitgenossen auf, beispielsweise Gertrude Stein, die den jungen Hemingway förderte und seine Arbeiten kommentierte. Mit F. Scott Fitzgerald machte Hemingway einen Ausflug, in dessen Verlauf Scott krank und weinerlich wurde (was mit Sicherheit auch am Alkohol lag). Mit James Joyce unterhielt er sich lange in einem Café. Es sind die „Goldenen Zwanziger“, die von Woody Allen so wunderbar in „Midnight In Paris“ dargestellt werden, alle Künstler und Bohémiens sind in der Stadt und es findet ein reger Gedankenaustausch statt. Nicht alles ist rosig, Hemingway und seine Frau Hadley mit dem kleinen Sohn sind arm, gehen auch mal hungrig zu Bett. Der Schriftsteller kann ab und zu einen Artikel an eine Zeitung verkaufen oder hat Glück auf der Pferderennbahn. Das sind dann ihre Festtage. Rückblickend verklärt Hemingway sein Leben während dieser Jahre nicht, aber er erkennt, wie glücklich er damals war trotz der Armut vor seinen großen literarischen Erfolgen. Er war Teil einer Gemeinschaft von Amerikanern in Paris, die für einander da waren, wenn es einem nicht gut ging. Mehr als bestimmte Szenen oder Episoden bleibt ein Gefühl von der Lektüre im Gedächtnis, wie man in die Atmosphäre der Stadt hineingezogen wird, die Hemingway offensichtlich sehr liebte und wo er sich besonders lebendig fühlte.

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Quelle: amazon.de

Nur die Realität ist schöner…

Die Erinnerungen erschienen allerdings erst nach seinem Tod, unter der Bearbeitung seiner Witwe. In der englischen Wikipedia ist vermerkt, dass diese u.a. eine Entschuldigung des Autors an seine erste Frau Hadley aus der veröffentlichten Version strich. Dennoch verdeutlichen noch genügend Passagen die Liebe zwischen den Eheleuten – seine Frau hatte es gewiss nicht einfach mit einem kleinen Kind und ohne festes Einkommen in einer fremden Stadt. Desweiteren kann man sich bei selbstverfassten Memoiren immer fragen, inwieweit sie geschönt oder ein Bild über das Leben des jungen Autors erzeugt werden soll, das in Wahrheit vielleicht etwas anders aussah.

Mir stellte sich diese Frage beim Lesen allerdings nicht, ich wählte das Buch aus, weil ich selbst in jenem Monat nach Paris fuhr und welcher Titel eignet sich da wohl besser als Reiselektüre als dieser? Für die lange Zugfahrt wäre dann etwas Spannenderes besser gewesen, aber da mich die Stadt bei meinem Besuch für immer verzaubert hat, entstehen bei der Lektüre Bilder und eigene Erinnerungen, die sich mit denen Hemingways vermischen. In diesem Sinne empfinde ich es genau so, wie der Autor es später in einem Zitat beschrieb:

„Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu sein, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst, denn Paris ist ein Fest fürs Leben.“

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