Einmal und nie wieder

Heimito von Doderer – Die Strudlhofstiege

Als ich den Band zu deutschen Schriftstellern aus der Gerstenberg-Reihe “50 Klassiker” las, stolperte ich zum ersten Mal über diesen Namen: Heimito von Doderer – bitte, wer? Was’n das für ein Name? Welch Skandal, ein bedeutender, auf Deutsch schreibender Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, von dem ich noch nie etwas gehört, geschweige denn gelesen hatte! Nun gut, ein Österreicher, aber trotzdem war ich nicht wenig erstaunt und wild entschlossen, diese Lücke so bald wie möglich zu schließen. Sein bekanntestes Werk hieß angeblich „Die Strudlhofstiege“, also sollte ich das wohl mal lesen… Leider konnte ich es in meinen Bibliotheken nicht auftreiben, dafür musste ich erst nach Großbritannien fahren: Die Uni-Bibliothek in Lancaster hatte es in ihren Reihen (ob es je ein Student gelesen hat?).

Dummerweise schob ich das Lesen bis kurz vor meiner Abreise hinaus, sodass ich für diesen Brocken nicht wirklich Zeit hatte. Blieb nur Skimming oder Querlesen übrig, dafür eignete sich aber der Text nicht gut, denn Doderers Sätze sind nicht gerade einfach konstruiert und die Handlung ist alles andere als linear. Kurz gesagt, es tat uns beiden nicht gut: Ich bekam ein Schwindelgefühl im Kopf und der Eindruck, den der Roman bei mir hinterließ, war recht negativ. Weder könnte ich jetzt noch sagen, worum es überhaupt geht (außer um die titelgebende „Strudlhofstiege“, eine Treppe in Wien, und um diverse Paare, die vor und nach dem 1. Weltkrieg zusammenkommen und wieder auseinander gehen), noch möchte ich die Lektüre einmal auf langsameren Niveau wiederholen. Hätte das Buch eine interessantere, „fesselndere“ Handlung, hätte ich es mir ja auch gar nicht so reinwürgen müssen, wie ich es am Ende tat. Diese ganze österreichische Gesellschaft im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, in „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth gerade noch erträglich und in „Leutnant Gustl“ von Schnitzler einfach lächerlich, ließ mich hier völlig kalt – das ist weder mein Land noch meine Mentalität. Mit unseren austrischen Nachbarn tue ich mich (nicht nur) literarisch schwer, weder Elfriede Jelinek noch Thomas Bernhard oder Peter Handke habe ich bisher näher beschaut – nun gut, die „Ottos Mops“-Gedichte von Jandl sind gut. (1) Aber ich kann immerhin sagen, dass ich ein Werk von Heimito von Doderer gelesen habe. Und dass darin eine Frau bei einem Tram-Unfall ein Bein verliert. So, abgehakt, das nächste bitte.

(1) Zu diesem Thema fällt mir auch noch „Der Mann ohne Eigenschaften“ des Österreichers Robert Musil ein… Dem wird in einem zukünftigen Post, auch in dieser Kategorie, noch ausreichend genüge getan werden. Nee nee, diese Ösis.

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