Ein Monat - ein Buch

September 2005: Peter Høeg – Die Frau und der Affe

Der dänische Autor Peter Høeg wurde 1992 mit seinem Krimi „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ bekannt. Ich las ihn zehn Jahre später, er war eines der ersten Bücher, die ich mir aus der Erwachsenenbibliothek auslieh, doch der nicht ganz einfache Handlungsverlauf und Høegs eigenwilliger Stil sorgten bei mir eher für Enttäuschung (ich kann mich jedoch noch gut an Smillas Affäre mit dem benachbarten Mechaniker erinnern, der mit Nachnamen „Fojl“ oder so ähnlich heißt, und wie sie feststellt, dass das Aussprechen des Namens eine gewisse Süße im Mund hinterlässt – das funktioniert bei mir mit allen Namen, die auf „L“ enden).

Quelle: hanser-literaturverlage.de

„Die Frau und der Affe“ (der Titel spricht schon niedere Instinkte an; der Verweis auf King-Kong ist offensichtlich) erschien 1996 und geht in eine gänzlich andere Richtung als „Fräulein Smilla“. Der Roman spielt in London, wo sich die junge, schöne Frau eines angehenden Zoodirektors zunehmend stark für einen Affen zu interessieren beginnt, den ihr Mann in einem Zwinger bei sich zu Hause hat. Er soll Experimenten dienen – ein Exemplar seiner Rasse ist bisher unbekannt –, doch Madelene weiß, welche Grausamkeiten ihr gewissenloser Gatte geplant hat und bekommt Mitleid mit dem Tier. Ihr Leben ist ziemlich trostlos, jeden Tag legt sie wie eine Maske mehrere Schichten Schminke auf und betäubt ihre Unzufriedenheit mit Alkohol. Der Affe, der den Namen Erasmus trägt, scheint als einziger eine Verbindung zu ihr herzustellen, gleich beim ersten Aufeinandertreffen, als er ihr einen Pfirsich reicht. Das unwahrscheinliche Paar wagt schließlich den Ausbruch und taucht unter im Dschungel der Großstadt. Erasmus zeigt sich nicht nur der menschlichen Sprache mächtig, sondern von weitaus überlegener Intelligenz – von wegen „dummer Affe“ also –, da er einer Rasse angehört, die sich vor langer Zeit vom homo sapiens abgespaltet hat und auf einer einsamen dänischen Insel (wo sonst) lebt. Er und Madelene schließen sich einer größeren Gruppe seinesgleichen an und beginnen eine Beziehung, in deren Verlauf die Frau ihre (menschliche) Sichtweise auf die Umwelt gründlich zu hinterfragen lernt. Nun braucht es nur noch eine Plattform, um der Menschheit an dieser Erkenntnis teilhaben zu lassen – um eine nachdrückliche Warnung auszusprechen …

Ich kann mich nicht mehr allzu gut an den Eindruck beim Lesen erinnern, fand es aber leichter zu lesen als andere Romane von Høeg wie das genannte „Fräulein Smilla“ oder „Das stille Mädchen“. Am Anfang scheint stets alles sehr aufregend und vielversprechend zu sein, doch irgendwo geht das dann leider verloren; so geschehen auch bei „Die Kinder der Elefantenhüter“. Bei ihm weiß man auch nie, ob man in einem Thriller oder einer intellektuellen Abhandlung steckt (Man lese diesen Satz: „Was sie gesehen hatte, war eine Großstadt, die sich bis ans Ende der Welt erstreckt. Das Wesentliche war nicht die Stadt selbst, denn sie war nur ein Punkt an der Erdoberfläche. Das Wesentliche war das Prinzip Stadt, die Moderne, die Zivilisation an sich.”); es ist quasi Literatur für den gehobenen Anspruch, und man muss Zeit dafür mitbringen, um ein Gefühl für seine Sprache zu entwickeln. Oft wird die Handlung im zweiten Teil seiner Bücher sehr turbulent, die Ereignisse überschlagen sich und man verliert leicht den Überblick – so ist es auch bei „Die Frau und der Affe“, was den Gesamteindruck am Ende etwas trübt. Die Namen sind hier bedeutungsschwer: Der frevelnde Zoodirektor heißt Adam, die Frau als schöne Sünderin (immerhin haben wir es hier mit Sodomie/Zoophilie zu tun) Madelene und der kluge Affe Erasmus wie der berühmte humanistische Gelehrte. Vielleicht ist es eine Art modernes Märchen, vielleicht ein Ökologie-Thriller, der Leser wird auf jeden Fall zum Nachdenken und Mitfühlen angeregt. Ich habe den Roman damals vor allem als Liebesgeschichte rezipiert, es passte irgendwie als Teil des „sexual awakening“ – im gleichen Monat las ich noch „Salz auf unserer Haut“.

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