Ein Monat - ein Buch

Oktober 2001: Robert Louis Stevenson – Der schwarze Pfeil

Nachdem ich „Die Schatzinsel“ gelesen hatte – in mehr oder weniger gekürzten Ausgaben, eine davon mit vielen interessanten Illustrationen und Zusatzinformationen –, freute ich mich, einen weiteren Roman von Stevenson in der Kinderbibliothek zu finden: „Der schwarze Pfeil“, ein klassischer historischer Abenteuerroman. Er spielt im England des 15. Jahrhunderts zur Zeit der Rosenkriege zwischen den Adelshäusern York und Lancaster (als Sieger ging Henry Tudor aus der Lancaster-Linie hervor, der als Henry VII gekrönt wurde). Der Originaltitel lautet darum auch folgerichtig: „The Black Arrow: A Tale of the Two Roses“.

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Quelle: abebooks.com

Dick und seine Johanna, undercover

Bei Stevenson lernte ich u. a., dass die Abkürzung von Richard „Dick“ lautet, denn die Hauptfigur des Romans trägt diesen Namen, Richard „Dick“ Shelton. Er wächst bei dem Ritter Sir Daniel Brackley auf, nachdem sein Vater von einem Unbekannten getötet wurde, was Dick zu einem mittellosen Waisen machte. Dadurch fiel auch die Wasserburg Tunstall, die vorher Dicks Vater gehörte, in Sir Daniels Hände. Diese Burg muss nun gegen die feindlichen Truppen der York-Anhänger verteidigt werden, während Sir Daniel für Lancaster in den Kampf zieht. Doch es kommt zu einem mysteriösen Mord mit einem schwarzen Pfeil, abgesandt von einer Gruppe Gesetzloser, die nach Robin-Hood-Manier in den umliegenden Wäldern haust und sich – Überraschung – „Der schwarze Pfeil“ nennt. Zu ihren Zielen gehört offensichtlich auch die Rache an Harry Sheltons Mördern. Dadurch wird bei Dick zum ersten Mal der Verdacht laut, dass sein Vormund Sir Daniel etwas mit der Tat zu tun haben könnte. Im weiteren Verlauf der Geschichte schließt sich Dick den Gesetzlosen an, nachdem sein eigenes Leben auf der Wasserburg in Gefahr geraten ist. Außerdem verliebt er sich in Johanna Sedley, die sich als Mann verkleidet unter Sir Daniels Soldaten gemischt hat. Auch wechselt er die Seiten von Lancaster zu York; nicht nur, weil sein nunmehriger Feind Sir Daniel zu Lancaster hält, sondern auch, weil er Richard von Gloucester, besser bekannt als Richard III, unvermutet das Leben rettet und dieser ihn zum Dank für seinen Mut zum Ritter schlägt – er ist nun Sir Richard. Natürlich gelingt es ihm am Ende, seine Johanna vor einer Ehe mit einem bösen Lord zu bewahren und auch der Tod seines Vaters bleibt nicht ungesühnt.

Okay, ohne die Hilfe von Freund Wikipedia hätte ich den Inhalt so nicht zusammenfassen können. Ich konnte mich nicht mal daran erinnern, dass Richard III in der Handlung vorkommt, allerdings gingen meine Kenntnisse der englischen Geschichte damals quasi gegen Null (in der Schule hat man ja genug mit der deutschen zu tun) und auch mit Shakespeare hatte ich mich noch nicht beschäftigt. Doch ich sehe vor meinem inneren Auge noch die Zeichnung des Wasserschlosses und wie die Bedeutung der Armbrust aufgrund ihrer höheren Schusskraft und längeren Reichweite gegenüber dem normalen Bogen hervorgehoben wurde. Auch das Fräulein in Männerkleidung ist noch sehr präsent. Stevensons Abenteuerromane gehören zu den besten des Genres. Außer der genannten „Schatzinsel“ sowie dem allseits bekannten „Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ kenne ich noch „Der Junker von Ballantrae“, das in Schottland sowie den amerikanischen Kolonien während des 18. Jahrhunderts spielt. Zwei weitere seiner Romane, „Kidnapped“ und dessen Folgeband „Catriona“, stehen noch auf meiner Leseliste. Oft als bloßer Jugendschriftsteller abgetan, hat Stevenson einiges zu bieten und seine Werke haben seit ihrem Erscheinen nichts von ihrer Spannung und Lesbarkeit eingebüßt (wie dies laut Kritikern der Fall bei Walter Scotts Romanen zu sein scheint). Bei dieser Ausgabe des „Schwarzen Pfeils“ von 1980 im Verlag Neues Leben Berlin muss ich, wie ich dies bereits bei „Oliver Twist“ getan habe, die Illustrationen von Klaus Ensikat rühmen: sehr detailliert und um historische Genauigkeit bemüht, sind sie ein großer Gewinn für die Lektüre.

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