Ein Monat - ein Buch

Juni 2004: Harry Cauley – Bridie und Finn

Fragt man mich, welche Bücher ich im Juni 2004 gelesen habe, würde mir sofort „Das Parfüm“ einfallen. Das liegt aber einzig und allein daran, weil ich es im Zug nach Leipzig las, wo Paul McCartney ein Konzert gab – ein großes und unvergessliches Erlebnis in meinem Leben. Süßkinds Roman fand ich zwar nicht schlecht, aber er ist auch nur einer dieser Bestseller, die man lesen und vergessen würde, gäbe es nicht den Hype (und die Filmversion, wodurch die Handlung noch mal stark zurück ins Gedächtnis gerufen wurde). „Bridie und Finn“ dagegen mochte ich wirklich. Er stand in der Kinder- und Jugendbibliothek und gehörte wohl zu den letzten Büchern, die ich mir dort auslieh. Die Geschichte spricht in meinen Augen allerdings eher (junge) Erwachsene an, weil sie zwar von einer Kinderfreundschaft erzählt, diese jedoch bis ins Erwachsenenalter geht und in dieser Zeit einige tragische Ereignisse geschehen.

Bridie

Quelle: Amazon/Weltbild Verlag

In einen kleinen Ort in New Jersey platzt eines Tages die unangepasste, wilde und chaotische Bridie, das seltsamste Mädchen, dem Finn und seine Klassenkameraden je begegnet sind. Kein Wunder, dass sich der schüchterne Junge – ohne es wirklich zu realisieren – in sie verliebt. Doch zunächst kann er sie mit ihrer besserwisserischen und vorlauten, direkten Art gar nicht leiden, weil sie sich so aufdringlich in sein Leben drängelt. Bald wird sie jedoch seine beste Freundin, die ihm zwar mitunter gehörig auf die Nerven geht, die aber schnell fast zu einem Familienmitglied wird und deren Gemeinschaft er immer weniger missen möchte. Denn es sind die 1940er Jahre, Finns Bruder kämpft als Soldat im 2. Weltkrieg und überlebt nicht, was wiederum dazu führt, dass sich seine Mutter in ihrer Trauer völlig zurückzieht. Aber Bridie hilft Finn mit ihren verrückten Einfällen und ihrer unvoreingenommenen Sichtweise (sie stört sich gar nicht daran, dass Finn eine Gehbehinderung hat) auch über schwere Zeiten hinweg. Als Erwachsener wird Finn Maler und verliert Bridie für einige Zeit aus den Augen, doch vergessen kann er seine erste Liebe nie…

Ich glaube, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Bridie denke. Neuerdings sogar noch öfter als sonst, was wohl daran liegt, daß ich älter werde und mich, statt der ebenso leidigen wie unabwendbaren Zukunft ins Auge zu sehen, lieber in den tröstlichen Schutz der Vergangenheit flüchte. Jedenfalls fühle ich mich ausgesprochen wohl inmitten alter Freunde, alter Kleider, alter Bücher und in alten Zeiten. Herausforderungen reizen mich nicht mehr, und Überraschungen langweilen mich überraschenderweise. Nicht, daß ich das Staunen verlernt hätte, eine Gabe, für die ich stets dankbar gewesen bin, nur staune ich heute anscheinend mit Vorliebe über das Gewohnte.

Glaubt man den Amazon-Bewertungen, so geht es nicht nur mir so, dass die Geschichte und die Gefühle, die das Buch hervorruft, lange nachwirken. Wie das manchmal so ist mit Zufallsfunden, entpuppen sie sich als etwas ganz Besonderes und so geschah es mir mit „Bridie und Finn“. Die Freundschaft zwischen den beiden Hauptfiguren, die sich zu einer bittersüßen Romanze ohne Happy End entwickelt, bleibt im Gedächtnis und der Autor versteht es, auch traurige Ereignisse im Leben der beiden ohne falschen Kitsch darzustellen, sodass man von der ersten Seite bis zum überraschenden Ende (kurz nach einer magischen Sommernacht) gefesselt bleibt.

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